Erstmalige urkundliche Erwähnung
Um das Jahr 600 erschienen die irischen Mönche Kolumban und Gallus am Bodensee. Sie fanden in Arbon eine Christengemeinde vor, die Verbindung zu Rätien hatte (in Chur wird schon im Jahre 541 ein Bischof erwähnt). Gallus gründete im Steinachtal eine Einsiedelei, aus der sich dann das Kloster St. Gallen entwickelte. Um 620 wurde in Konstanz ein Bistum gegründet und etwa hundert Jahre später das Kloster Reichenau gebaut.
In der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts setzten die Schenkungen an das Kloster St. Gallen ein. Ein Mann schenkte das, was er rechtens besass, erworben oder geerbt hatte, dem Kloster. Es handelte sich dabei meistens um Güter wie Haus, Hof, Land oder um Teile davon. Dafür erhielt er das Recht, dieses Gut gegen eine jährliche Abgabe zu bewirtschaften. Somit besass das Kloster den Hof, was den früheren Besitzer nicht nur vor dem Zugriff eines adeligen Herrn schützte, sondern ihm auch
Bekannt sein soll allen, dass ich, Liutprandus, mit der Hand meines Vaters und Beistandes Liutpertus, dem Kloster des heiligen Gallus, dem der ehrwürdige Abt Werdo vorsteht, übertrage alles, was ich in Amriswil und Güttingen durch Erbschaft und Erwerbung nachweislich besitze; unter folgender Bedingung, dass ich diese Güter wiederbekomme und von nun an jedes Jahr einen Zins bezahle, nämlich einen Solidus zu seinem Wert. Nach meinem Tode aber, wenn mein Bruder Willibert diese Güter haben will, dann soll er dem Kloster jährlich zwei Solidi geben zu ihrem Wert, desgleichen auch die Söhne unserer Brüder. Wenn aber einer von ihnen würdig und rechtmässig Presbyter oder Diakon werden sollte, möge er denselben Zins zu entrichten haben, nämlich zwei Solidi zu ihrem Wert, und dieselben Güter besitzen, nach seinem Tode aber sollen diese Güter vollumfänglich dem Kloster St. Gallen zufallen. Öffentlich vollzogen im Hof, der Amriswil genannt wird, in Gegenwart derer, deren Namen hier angeführt werden: Das Zeichen des Liutprandus und meines Beistandes Liutpertus. Ich Egino demütiger Bischof, habe auf Bitte des Liutprandus diesen Brief mit der Liste der Zeugen ausfertigen lassen; das Zeichen des Liutpertus; Z des Amalpertus zusammen mit Brüdern aus unserer Zelle; Z des Wano, Z des Hunolt... Und deshalb habe ich, Mano (diesen Schenkungsbrief) geschrieben und unterschrieben im 32. Regierungsjahre von König Karl, am Geburtstag des Simon und des Juda, am füngten Tag vor dem 1. November.
